Jugendclub und Schwabenhaus - Brutstätte der Beatmusik

Bereits Ende der 60er Jahre (67- um genau zu sein) hatte Chris als Orgler und Sänger einen sehr guten Namen in Tübingen. Er spielte im Jugendclub (ganz wichtig!) hatte eine rote Vox Orgel (noch wichtiger !!) und kannte die Stücke der Animals, Box Tops und Rolling Stones (was will man mehr?). Eines Tages, nachdem er mit seiner Band bereits einmal den Bandwettbewerb gewonnen hatte, nahm er Kontakt mit mir (Martin) auf. Ich hatte bis dahin in meiner Band nur John Mayall, Yardbirds, Steamhammer und Rhythm 'n Blues (im allgemeinen) gespielt. "Natürlich war unsere Musik "wesentlich progressiver" als die Musik von Substitute - aber es gab eben keine Band mehr (seit 2 Wochen) und Chris mit Band waren halt richtig gut. Also hab ich den Guyatone, die zwei Boxen und die Gitarre auf einen Leiterwagen geladen und marschierte mit meiner Anlage von Derendingen in den Jugendclub, um bei Substitute einzusteigen. Musikalisch war das damals wie der Aufstieg von der Kreisklasse in die Bundesliga. So ging es los. Substitute war die Hausband des Jugendclubs. Dann kam der zweite Bandwettbewerb in Lustnau. Als Lokalmatadore landeten wir nur auf Platz zwei - eine Band aus dem Oberland war eben besser. (Bei diesem Wettbewerb spielte auch eine junge Band aus Rottenburg mit, die Sgt.Pepper Band mit Michael und Rolf Kersting. Michael ist jetzt einer der besten Jazzschlagzeuger Deutschlands und der Rolf hat später bei Peter - Major Tom -Schilling Bass gespielt). Wir haben eine Urkunde erhalten und eine Einladung zu einer europäischen Endausscheidung..... so ein Wichtigtuer hatte damals dem Jugendclub was von einer eurpäischen Organisation erzählt... ausser der Urkunde (hektografiert - weiss jemand noch, was das ist ?) gabs aber nichts mehr. Diese Organisation hat gar nicht existiert. Egal, wir waren gross im Schwäbischen Tagblatt, sind mit dem Jugendclub nach Frankreich gefahren und dort wie Superstars aufgetreten. SEEEHR GEIL !!!

die Invasion der Beatstars aus Allemagne in Lion sur Mèr

In Lion sur Mèr hatten wir Auftritte im örtlichen Kino und im Stadtpark. Wir haben 4 Mal den Galliern und ihren Mädchen tierisch eingeheizt. Von Deutschland waren wir noch gewohnt, 3 Stücke zu spielen und dann ein kleines Päuschen von 15 Minuten zu machen. Da waren die Gallier aber ganz anders drauf - spielen, abhotten, Party. Unser Repertoire war vieeeel zu klein. Da haben wir immer, wenn das Stück eigentlich vorbei war, einfach nochmal angefangen. Hat niemand bemerkt. Wir haben so alles doppelt so lange gespielt und plötzlich war unser Material ausreichend. Ich habe damals die Ansagen auf französisch gemacht und wir waren an der Küste die Chefs. Rock n Roll wie im Bilderbuch. Morgends sehr lange im Zelt gelegen (wir haben auf dem Sportplatz gecampt), dann gewartet bis der Alkohol verflogen war, etwas musiziert und am Abend entweder die Bevölkerung beglückt (der Bürgermeister hat uns zum Muschelessen eingeladen und alle haben gekotzt oder sich fast zu Tode gesch.. oder aber irgendwo am Strand Musik (oder sonst was - meistens eher sonst was) gemacht. Wir hatten einen Auftritt in einer Bowlingbahn an den ich mich nicht mehr erinnern kann.

Chris geht und kommt zurück und aus "Substitute" wird "Respect"

Im Schwabenhaus haben wir regelmässig gespielt (alle 6 bis acht Wochen ?) Wir sind "berühmt" geworden - aber nur in der Region. Dann setzte der Vater von Chris neue Prioritäten: das Abitur war angesagt und die Band war da eher zweitrangig. Chris ging ins Internat nach Altensteig und der Rest der Band holte sich - bis das Abitur ausgestanden war - Hotte Neumann (einen ehemaligen Berufsmusiker) mit einer richtig schwarzen Stimme in die Band. Jetzt nannte sich die Band Respect und spielte Soul und Rhythm and Blues.

Chris machte das Abitur und kam zurück. Mit zwei Sängern und Organisten (Chris und Hotte), zwei Gitarristen (Hotte und ich) und Chris am Sax war die Band richtig vielseitig und bei den Studenten und Verbindungen tierisch angesagt. Wir spielten beim Jimi Hendrix Gedächtnis Festival in Stockach (East of Eden, If, Epitaph, Puppenhaus Kaiser Blumenstrauss, Daddy Longlegs). Mit Sax und Gitarre spielten wir Stücke von Wishbone Ash oder imitierten Bläsersätze. Wir spielten Soulmusik, Blues, Rock - eine irre Mischung. Der Südwestfunk lud uns zwei mal ins Studio Tübingen ein und ich versaute zum ersten Mal das Abitur wegen der Musik. Chris begann sein erstes Studium in Stuttgart (Maschinenbau - das braucht er heute noch für sein Leslie Kabinett) und die Band löste sich auf. Ende der Geschichte von SUBSTITUTE und RESPECT.